Donnerstag, 5. April 2018

Neue Datenschutz-Grundverordnung

Liebe Leser,
mit dem Inkrafttreten der neuen Datenschutz-Grundverordnung werde ich alle meine Blogs vom Netz nehmen. Genießt bis zum 24. Mai nochmal alle meine Texte (oder auch nicht). Angesichts der wuchernden Dummheit der Bürokratie kann ich nur noch resignieren.

Donnerstag, 25. Januar 2018

"Das Leben und die Schönheit und die Sinnlichkeit" - Gastbeitrag von Udo Heitfeld zu Eugen Gomringers Gedicht "Avenidas"



Die Übermalung des Gedichts "Avenidas" von Eugen Gomringer ist ein Kulturskandal ersten Ranges und wurde in den sozialen Medien heftig diskutiert, teils auf hohem Niveau. In einer privaten Facebook-Gruppe fand ich den folgenden Beitrag von Udo Heitfeld, einem Berliner Musiker - der umfangreichste Facebook-Artikel zu diesem Thema und einer der klügsten. Danke Udo für den Gastbeitrag.


 "Das Leben und die Schönheit und die Sinnlichkeit"

Gedanken zu der Kritik an dem Gedicht „Avenidas“ von Eugen Gomringer

Es ist erstaunlich, aber auch erschütternd wie sehr ein kleines Gedicht, das nur aus vier Substantiven und dem Wörtchen „und“ besteht zu einem erbitterten Streit führen kann.

Das Gedicht beschreibt mit den vier Substantiven eine urbane Szenerie, die in einer mittel- oder südamerikanischen oder auch südeuropäischen Stadt angesiedelt sein könnte.
Es fasst in seiner Kürze und seinem Minimalismus eine Impression in einer solchen Stadt zusammen.

Da sind die Alleen, die grossen Boulevards mit ihrem pulsierenden Leben, der Symphonie aus Verkehrslärm, Geräuschen, die aus Geschäften dringen, der Musik, die aus Cafés zu hören ist, dem Meer aus tausenden von Stimmen der Menschen.

Da sind die Blumen, mit ihren bunten Farben, die üppig aus Beeten, Kästen, Fenstersimsen und den Ständen der Straßenverkäufer quellen wie ergriffenes Licht und deren Duft in Wolken durch die Straßen zieht oder auch nur als Marke eines Straußes oder einer einzelnen Blume wahrnehmbar ist.

Da sind die Frauen, die flanieren oder zu ihren Zielen, ob beruflich oder privat, unterwegs sind, die geschäftig bei ihrer Arbeit sind, die allein oder in Begleitung auftauchen und im Meer der Passanten wieder untertauchen. Das sind die jungen attraktiven, die modischen und gestylten, die wohlhabenden mit ihren Attributen aus Schick und Reichtum, da sind die ärmeren und älteren, die, wenn auch gebeugt und mit den Spuren des Lebens versehen, Würde ausstrahlen und ohne sie die gesamte Szenerie arm und entleert erschiene.

Da ist ein Mensch, der inmitten dieser Szenerie auftaucht, der den Lärm und die Geräusche, den Duft und die visuellen Reize auf den Alleen in sich aufnimmt und verzaubert und betört vom prallen Leben in dem Augenblick in Kontemplation, im Staunen, im Bewundern dieser Szenerie aufgeht. Offensichtlich handelt es sich dabei um einen männlichen Betrachter, da er Frauen in seine Bewunderung miteinbezieht. Vielleicht ist es der Subjektivität des Schreibers geschuldet, der selbst männlich, einer selbst empfundenen Impression Ausdruck verleiht.
Aber damit schlägt er auch einen Bogen zu dem tragenden und entscheidenden Element der lebendigen und kulturellen Entwicklung der Menschen – der Liebe zwischen Mann und Frau.
Es ist die Sinnlichkeit des Betrachters, des Bewunderers, das Zusammenspiel aus Hören, Riechen und Sehen, die ihm das Wunderbare der Szenerie erschließen lässt, die ihn mit dem vollen Leben dieses Augenblickes verbindet und ihn erfüllt mit diesem Leben.
Und es ist die Sinnlichkeit, die der Liebe ihren Reiz und ihre Faszination, ihren Zauber verleiht. Denn Liebe ohne Sinnlichkeit ist schwer vorstellbar, zumindestens in den geographischen Bereichen, die dem Gedicht zuzuordnen sind, deren Bewohner das Leben – bei allen Unbillen und Ungemachen in ihrer Existenz – so sehr lieben.

Und da ist das Wort „und“. Durch dieses Wort und werden die vier Substantive, die nur für sich, einzeln stehend leere Worthülsen sind, mit Inhalt erfüllt.
Durch das „und“ – und dies ist die sprachliche Magie des Gedichtes – werden die Substantive mit Inhalt erfüllt und lassen vor dem geistigen Auge des Lesers die wunderbare Szenerie eines Momentes in einer Prachtstraße entstehen, durch das „und“ wird dieser Moment lebendig.
Durch das Wort „und“ werden die Allee, die Blumen und die Frauen mit einander verbunden, werden zu gleichberechtigten, gleich gewichtigen Elementen, die diese Szenerie, die die Wirklichkeit dieser Szenerie erst entstehen lassen. Keines dieser Elemente ist herauszuheben, sie alle zusammen – oder besser nur zusammen, in diesem Konvolut lassen die Wirklichkeit der Szenerie lebendig werden.

In diesem kleinen, unscheinbaren und doch sprachlich so großen Gedicht eine sexistische Tendenz zu sehen und ihm eine Frauen herabwürdigende Inhaltlichkeit zu unterstellen und sein Verbot, seine Beseitigung aus der Öffentlichkeit zu fordern, ist zu erst grotesk, offenbart beim zweiten Blick aber eine niedrige und gemeine Absicht.
Aber durch diese Unterstellung werden die Frauen auch aus der Einheit des Gedichtes, der Einheit der Szenerie und übertragen auch aus der Einheit des Lebens herausgerissen, damit zu etwas Besonderen, Wichtigerem, das das Leben in seiner Vielfalt unterordnet.
Gleichzeitig wird damit aber auch die Sexualität der Frauen in den Vordergrund gestellt und dies bedeutet dann aber wiederum eine Reduzierung auf ihre Sexualität im Blick der Kritiker.

Es scheint als sei die bloße Erwähnung des Wortes Frau, zumal im Kontext eines Mannes, schon eine sexistische Handlung, bzw. besäße eine sexistische Absicht.
Das kann in der Konsequenz nur zu einer ganzkörperlichen Verschleierung führen, aber nicht in Gestalt wie bei den fundamentalistischen Strömungen des Islam, die die Körper der Frauen versteckt, sondern in einer Verschleierung der Wahrnehmung und Äußerung in Form von Zensur und der auf ihr begründeten oder nachfolgenden Unterdrückung.
Und dies führt dann wie in jeder Diktatur zu einem Verschwinden, der lebendigen Boulevards und des pulsierenden Lebens.
Die Kritik an dem Gedicht und die Forderung nach seinem Verbot im öffentlichen Raum beinhalten in seiner Tendenz eine erschreckende Feindlichkeit gegenüber dem Leben.
Damit stellt die Kritik an dem Gedicht genau das Gegenteil heraus, was das Gedicht zum Inhalt hat.

So klein und unscheinbar das Gedicht von Eugen Gomringer auch ist, es ist ein Feiern und ein Loblied auf das Leben und die Schönheit und die Sinnlichkeit.

Udo Heitfeld, Berlin

Sonntag, 24. September 2017

Kunst ist frei - Zum Protestbrief zahlreicher Kollegen in Sachen Gomringer-Gedicht

Nun hat sie auch mich erreicht, die Diskussion um die Entfernung des Gomringer-Gedichts. Jeder, der Kunst im öffentlichen Raum vernichten oder verhindern möchte, ist mir grundsätzlich verdächtig. Art, Form und Inhalt des Solidaritäts-Briefes widersprechen zutiefst meinem ästhetischen Verständnis. Kunst ist frei. Und wenn sich jemand durch Kunst provoziert und in welcher Form auch immer negativ berührt wird, dann ist es gute Kunst. Es gab Zeiten, da wurden Kunstwerke massenhaft entfernt und Bücher verbrannt.
Ich habe aus Protest die Betreiberin der Seite Fixpoetry gebeten, alle meine Texte von ihrer Seite zu entfernen und distanziere mich von dieser "Solidaritätserklärung":
Fixpoetry Solidaritätserklärung

Montag, 18. September 2017

Neue Gedichte

Im Herbst 2018 wird ein neuer Gedichtband von mir erscheinen. In lockerer Folge in der nächsten Zeit ein paar Vorabpublikationen. Aus Ostragehege Nr.85: