Donnerstag, 25. Mai 2017

Fundus/ Stoc - Gedichte Deutsch-Rumänisch

Erscheint demnächst: Matthias Kehle: Fundus / Stoc - Gedichte, Deutsch-Rumänisch


Übersetzt von Traian Pop.
Mit einem Vorwort von Catalin Dorian Florescu.
Pop-Verlag, 92 Seiten, 14,00 Euro.
Erhältlich im Buchhandel, beim Verlag oder Autor (signiert)

Donnerstag, 18. Mai 2017

Zum Tod des Karlsruher Journalisten und Kritikers Peter Kohl

Der Journalist und Kulturkritiker Peter Kohl ist tot. Er war einer der besten Kenner der hiesigen Literaturszene, ein unbestechlicher und stilsicherer Kritiker. Dreißig Jahre lang schrieb er für die „Klappe Auf“ und für die „Badischen Neuesten Nachrichten“. Wir beackerten als Kritiker das gleiche Feld, wir beäugten und schätzten uns. Ich habe ihm viel zu verdanken: Gerade am Anfang meiner literarischen Karriere hat er immer wieder meine Bücher rezensiert und vor allem: gelobt. Da ich wusste, dass „peko“ partout keine Gefälligkeitskritiken schrieb, war mir seine Meinung besonders wichtig. Zwei meiner Publikationen ergänzte er: Er schrieb einen einfühlsamen Nachruf auf Kuno Bärenbold, dessen Nachlass ich zusammen mit Thomas Lindemann herausgab und einen Essay über die Karlsruher Gegenwartsliteratur, als ich ein Städte-Sonderheft einer Literaturzeitschrift mitherausgab.
(Privat) 
Am Ende eines jeden Monats las ich ein Vierteljahrhundert lang als erstes die letzte Seite der „Klappe Auf“, wo er unter dem Pseudonym „Dr. Mabuse“ launig und bruddelig, wie es seine Art war, über Kevin, Schantal, den KSC, die Tatort-Manie der Deutschen, kurz: über die Dinge, die die Welt bewegen oder nicht bewegen, seine Kolumne schrieb.
Wir waren im besten Sinne Kollegen und keine Konkurrenten um die wenigen Brosamen, die der freie Kultur-Journalismus abwirft. Ich trauere mit vielen Journalisten- und Autorenkollegen, über die der promovierte Literaturwissenschaftler und Filmkenner geschrieben hat. Peter Kohl wurde nur 59 Jahre alt.

Nachruf von Alfred Godulla in der Juni-Ausgabe der Klappe Auf:
Nachruf peko hier klicken!

Sonntag, 9. April 2017

Vor einem Vierteljahrhundert...

Am 10. April 1992 stellte ich in der Volkshochschule Ettlingen mein erstes Buch vor, den Erzählband "Elfmeterschießen", erschienen beim Verlag G. Braun, damals einer der größten Verlage in Baden-Württemberg.
Badische Neueste Nachrichten, 16. April 1992
Es sollten bis heute 16 weitere Bücher folgen. Damals war ich Student der Germanistik und Soziologie an der Universität Karlsruhe, und es sah noch für eine ganze Weile danach aus, als sollte ich Soziologe werden. Den Band "Elfmeterschießen", von dem ich noch einige Exemplare besitze (G. Braun ließ damals unglaubliche 2500 Exemplare drucken), ist heute noch bei mir zum Selbstkostenpreis von 2,50 Euro erhältlich.


Freitag, 24. Februar 2017

Badischer Abend in Graben-Neudorf

Donnerstag, 9. März 2017, 19.30 Uhr:

Badischer Abend mit Matthias Kehle

In Baden gibt es die meisten Sonnenstunden Deutschlands, hier wurde das Auto und die Dauerwelle erfunden, um nur ein paar Dinge über das wunderschöne Baden zu nennen.
Matthias Kehle brennt an diesem Abend ein Feuerwerk an Eigenheiten, Kuriositäten und Einmaligkeiten ab. Am Ende weiß der amüsierte Zuhörer, dass er einen gesegneten und ganz besonderen Landstrich seine Heimat nennen darf.
Es werden badische Leckerbissen gereicht.
Eintritt 8,00€


Ort: Gemeindebibliothek Graben-Neudorf, Bahnhofstraße 34, 76676 Graben-Neudorf.

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Lesungen im Winter 2016/ 2017 aus dem Erzählband "Die letzte Nacht"

3. November 2016 (Donnerstag):
Villa Barock, Pflugfelder Str. 5, 71636 Ludwigsburg, Beginn 19.30 Uhr


7. November 2016 (Montag):
Herrlicher Salon, Regensburger Straße 15, 10777Berlin, Beginn 20.00 Uhr


13. Januar 2016 (Freitag):
Foyer des Präsidiumsgebäudes, Gebäude 11:30
KIT Campus Süd, Engelbert-Arnold-Str. 2, 18:00 bis 19:30 Uhr

Ein Abend auf der Grenze von Fact & Fiction, zwischen Literatur und Wissenschaft: Autorengespräch und Lesung mit Matthias Kehle und Prof. Dr. Rolf-Ulrich Kunze:
Was unterscheidet einen Schriftsteller von einem Historiker? Beide müssen Geschichte(n) erzählen, wenn auch nach unterschiedlichen Regeln. Aber was passiert, wenn der Schriftsteller auch Soziologe ist und der Historiker auch Non-fiction schreibt?
Über diese und andere interessante Grenzüberschreitungen zwischen Fact und Fiction soll es in einem Autorengespräch zwischen dem Autor Matthias Kehle, M.A. (Soziologie) und dem KIT-Neuzeithistoriker Prof. Dr. Rolf-Ulrich Kunze gehen. Beide werden außerdem aus ihren aktuellen Büchern lesen und mit dem Publikum u. a. über Geschichte und Geschichten, über Fiktionalität und Narrativität diskutieren.



19. Januar 2017 (Donnerstag)
Gemeindebibliothek Graben-Neudorf (Infos folgen)

Mittwoch, 27. Juli 2016

"Familiengeschichten und Geschichten von Familien" - im Gespräch mit Prof. Dr. Rolf-Ulrich Kunze

Als Erzähler kann ich ihn nur beneiden: Rolf-Ulrich Kunze befasst sich wissenschaftlich mit Familienbiografien. Zuvorderst ist da seine eigene Familie, deren Geschichte er aufgearbeitet hat. Als Historiker hat er sich da auf ein heißes Pflaster begeben, denn diese Wissenschaft ist wenig an Individuen interessiert: Sie ist „objektiv“ orientiert, nicht „subjektiv“. „Fakt und Fiktion gegeneinander auszuspielen, ist aber Krampf“, sagt der einzige Allgemeinhistoriker des KIT. Denn „Fakten“ zu sammeln und historisch aufzubereiten, ergibt zu oft „Datengräber, Statistiken, unlesbare Bücher.“ Kunzes Familie ist eine Besondere: Er ist der Bruder des Rockpoeten Heinz-Rudolf Kunze („Dein ist mein ganzes Herz“) und: Die Eltern des 1968 Geborenen haben den Zweiten Weltkrieg noch miterlebt. Als ich mich daran gemacht habe, meine Familiengeschichten zu erzählen, hatte ich kaum Fakten. Ich hatte wunderbare Erinnerungen an meine Kindheit, an Tanten und Onkel, Vater und Mutter – alles andere musste ich erfinden. Und: Meine Eltern haben den Krieg nur als kleine Kinder an dessen Ende erlebt. Sie hatten im Gegensatz zu denen von Kunze nicht die innere NotwendigkeitTraumata zu verarbeiten. Kunzes Vater hat erzählt, stundenlang Cassetten besprochen, seine Mutter akribisch Fotoalben beschriftet.

Rolf-Ulrich Kunze und Matthias Kehle (c) KIT
Rolf- Ulrich Kunze hat sich die amerikanische Geschichtswissenschaft als Vorbild genommen und diese Subjektivität genutzt, aus dem Kontext seiner Familie „Das halbe Jahrhundert meiner Eltern“ so erzählt, dass es „wissenschaftlich diskussionsfähig“ wurde. „Ich nutze die Strategie des Journalisten“, sagt er. Ich dagegen musste fabulieren, Geschichte erfinden. Während ich bei meinem Erzählband „Die letzte Nacht“ gerne Fußnoten gemacht hätte, um festzuhalten, was ich alles erfunden habe, setzte Kunze Fußnoten, um zu belegen, dass er nichts erfunden hat. „Ich muss mich an die wissenschaftlichen Spielregeln halten.“ Neben dem US-Amerikaner Paul Fussel nennt er Walter Kempowski „Deutsche Chroniken“ als Vorbild. Die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion verschwimmen immer wieder, und damit hat nur die deutsche Geschichtsschreibung ihre Schwierigkeit: „Angloamerikanische Studenten lernen wissenschaftliches und narratives Schreiben.“

Rolf-Ulrich Kunze hat das große Glück, sich mit sich selbst, seiner Herkunft befassen zu können und über schier unendlich viel Material zu verfügen. Außerdem hat die Beschäftigung mit den Geschichten von kriegstraumatisierten Menschen und Familien in Deutschland gerade erst begonnen. „Familien haben als Miniverbände eine ideale Größe, sie sind nicht zu klein und nicht zu groß.“ Kunze stellt die Fragen, die sich jeder Erzähler stellt: Was wäre wenn? Was wäre passiert, wenn an entscheidenden Punkten im Leben von Familien eine Weichenstellung anders verlaufen wäre. In seinem ersten fiktionaler Roman, der gerade erschienen ist („Cambdon, Maine“), erzählt er aus der Perspektive diverser Personen, was passiert wäre, wäre sein Großvater in die USA ausgewandert: „Das war wahrscheinlicher als die Tatsache, dass er wie im richtigen Leben als Geschäftsmann Erfolg hatte.“ Was wäre wenn? Wie wissenschaftlich ist diese Herangehensweise? Was wäre geschehen, wäre Kennedy nicht ermordert worden? „Kennedy war etwa nicht an Sozialreformen interessiert“, sagt Kunze, die amerikanische Geschichte wäre anders verlaufen, hätte der Attentäter nicht zufällig einen Volltreffer im Schädel des Präsidenten gelandet.

Rolf-Ulrich Kunze (c) KIT
Als Martin Walser seine umstrittene Paulskirchen-Rede hielt, wurde er viel gescholten. Ich habe ihn verstanden, als er von der „Instrumentalisierung unserer Schande“ sprach und vom „Urgesetz des Erzählens: Der Perspektivität“, von Ausschwitz als „Moralkeule und Pflichtübung“. Als mir Kunze davon berichtete, wie er an ein und demselben Haus eine vierte Gedenkplakette anbringen musste, kam mir Walser wieder in den Sinn. „Mir war damals bewusst, dass es im Loriot'schen Sinne lächerlich ist, was ich hier mache. Es ist nicht gut, wenn eine Art Liturgie anstelle von Wissen tritt“, sagt Kunze bewusst vorsichtig. „Das reale Wissen von Studierenden über die Nazizeit war noch nie auf einem so niedrigen Niveau wie heute, obwohl sie als Schüler alle möglichen Gedenkstätten besuchten.“ Ich frage ihn, ob das nun die Erzähler richten müssen? „Sie können Aufmerksamkeit und Interesse wecken, ich vertraue auf die Angebote.“ In einem familienbiografischen Seminar macht Kunze ein solches Angebot, und er war erstaunt, wieviele Dokumente und Fotos die Studierenden brachten und über sie referierten – von Russlandfeldzügen bis zu Kommunionfotos aus dem Schwarzwald, die sich im Laufe der Jahrzehnte änderten: Es wurde immer weniger Kinder auf den Bildern. „Ich habe noch nie ein Seminar erlebt, in dem es so diszipliniert zuging“, so Kunze, „es ist ja nicht die Geschichte der anderen, sondern die eigene.“
Rolf-Ulrich Kunze hat zusammen mit seiner Frau in der Nordstadt unzählige Tagebücher und Fotoalben im Altpapier gesehen: „Es zerreißt einem das Herz, welche Erinnerungswerte verschwinden“. Er erinnert sich auch an ein unfassbares Ereignis an seiner eigenen Fakultät, als eine Institutsbibliothek aufgelöst wurde, die Hilfskräfte die Regale ins Treppenhaus schoben und deren Inhalt ins Erdgeschoss kippte – wertvolle, seltene Bücher verschwanden im Altpapier, wenige konnte er retten. Das erinnert fast an die Geschichtsvergessenheit der Landesregierung unter Ministerpräsident Oettinger, als diese 2006 die mittelalterlichen Handschriften der Karlsruher Landesbibliothek verscherbeln wollte, was ein internationaler Proteststurm verhinderte.

Ich habe aus dem wenigen familiengeschichtlichen Material, das mir zur Verfügung stand, einen schmalen Erzählband gemacht, der mit meiner Familie nicht mehr viel zu tun hat. Rolf-Ulrich Kunzes Fundus ist unerschöpflich. Zum Schluss muss ich ihm natürlich die Frage stellen: „Sind Sie auch Archivar Ihres Bruders?“ Nein, das seien seine Eltern gewesen (seine Mutter starb hochbetagt 2010, Heinz-Rudolf Kunze ist zwölf Jahre älter als sein Bruder). „Auch wenn ich als Kind die Atmosphäre in seinen Wohngemeinschaft genossen habe und wir ein sehr inniges Verhältnis haben: Das ist für mich eine fremde Welt.“

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Kunze & Kehle (c) KIT
Rolf-Ulrich Kunze, geboren 1968 in Osnabrück ist Professor für neuere und neueste Geschichte am KIT. Zuvor war er u.a. Geschäftsführer der Forschungsstelle „Widerstand gegen den Nationalsozialismus im deutschen Südwesten“. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte des Protestantismus', Wissenschafts- und Kulturgeschichte, insbesondere auch neuere niederländische Geschichte. „Das halbe Jahrhundert meiner Eltern“ erschien als Band 8 in der Reihe EUKLID Studien, KIT Scientific Publishing 2015 , der Roman „Cambdon Maine“ im Verlag minifanal, Bonn 2015.
Matthias Kehle, geboren 1967, Absolvent des KIT (M.A.), lebt als Schriftsteller und Journalist in Karlsruhe. Er hat bisher 17 hochgelobte Lyrik- und Erzählbände sowie erfolgreiche Sach- und Reisebücher veröffentlicht und mehrere Literaturpreise erhalten. Er ist Mitglied im PEN und langjähriger LooKIT-Mitarbeiter. Sein 2015 erschienenes Buch „Die letzte Nacht“ erzählt von einer Kindheit und Jugend in den 1970er- und 80er-Jahren.


Der Text erschien in 
LookKIT Nr. 2/2016. 
Das Magazin für 
Forschung, Lehre, Innovation. 
Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

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